Frueh morgens steigen wir in den gut besetzten Flieger zum zweiten Teil unseres Praktikums. Waehrend sich neben uns am Schalter eine Dame weigert ihren Sitzplatz mit einem Mann zu tauschen, der gerne tauschen wuerde damit seine zwei kleinen Kinder nicht alleine sitzten muessen, lassen wir uns die Plaetze am Notausgang reservieren. Beinfreiheit ist doch etwas tolles. Einen Moment lang ueberlegen wir ob wir uns nicht in die Naehe besagter Dame setzen sollen um sie moeglichst viel zu piesacken, aber leider ist dort nichts mehr frei und die Alternative zu verlockend.
Der Zeit vergeht wie im Flug (haha). Das Entertainment Programm hat endlich mal etwas zu bieten (high tech statt Magic Ballon Show) und auch sonst laeuft alles erstaunlich glatt. Beeindruckend. Und so landen wir einige Stunden spaeter putzmunter in Montréal. Zumindest so lange putzmunter bis wir mal wieder im Immigrationsoffice im Flughafen landen. Die Schlange vor uns ist kilometerlang und bewegt sich im Schneckentempo. Unsere Koffer drehen auf dem Band im Keller sicherlich bereits Runde Nr. 31945 als wir von zwei Polizistinnen aus der Schlange herausgepickt werden. Das scheint hier nach Kompetenz zu gehen!
Das eher das Gegenteil der Fall ist erkennen wir wenig spaeter nachdem wir in einem Separee landen in das sich drei Polizistinnen quetschen von denen sich zwei als Azubinen heraus stellen. Mit einer Seelenruhe erklaert Nummer drei einer nach der anderen was nun zu tun ist um uns das benoetigte Visum auszustellen. Waehrend wir die Vorarbeiterpolizistin mustern und feststellen, dass ihre Ausmasse auch Helmut Kohl erblassen liessen klicken sich die beiden Azubinen langsamst durch die notwendigen Formulare. Unterbrochen wird diese Zeromonie nur durch die gemeinsamen Gaenge zum Drucker. Immer brav diszipliniert im Gaensemarsch - Dickmadame vorneweg, die zwei Babycops hinterher.
Nach einer guten Dreiviertelstunde ist es geschafft, wir sind die letzten und bangen um unsere Koffer. Die Anzeige auf welchem Band unsere Koffer sich den Wolf drehen ist inzwischen abgeschaltet uns so irren wir von einem Kofferband zum naechsten. Ich spekuliere bereits darauf dass unsere Koffer wegen akuter Terrorgefahr grade gesprengt werden und Doro fuerchtet dass sie ihre Schuhe nie wieder sehen wird als wir unsere Koffer, bewacht von einer Schar Polizisten, erblicken. Noch nicht gesprengt - was ein Glueck. Wortlos nehmen wir unsere Koffer einfach mit, die etwas erstaunt dreinblickenden Polizisten bleiben wie versteinert zurueck und schauen uns hinterher. Bei unserem Anblick waere ich als Dritter natuerlich auch sprachlos.
Der Weg fuehrt uns zum Taxistand. Wie gewohnt hat der Taxifahrer keinen Plan wo er hin muss. Kein Navi und nicht einmal eine Karte finden sich in seinem Auto und so haelt er alle 20m bei einer Tankstelle an um nach dem Weg zu fragen. Wir nutzen die Zeit um uns Montreal bei gutem Wetter anzusehen. Die Sonne scheint und das Wetter ist einfach nur mit dem Woertchen "perfekt" zu umschreiben.
Wenn wir die Fahrt selber bezahlen muessten waehren wir wahrscheinlich inzwischen ausgeflippt. Seit zwei Stunden werden wir von unserer Gastgeberin und der HR-Chefin bereits erwartet. Ein kurzes Telefonat und wir lassen uns um 100$ erleichtert an einer Tankstelle absetzen. Von dort werden wir abgeholt.
Unsere Unterkunft ist schlicht der Hammer. Wir haben ein Schwimmbad und eine Art Jakuzzi. Ausserdem wohnt dort ein "kleiner" Hund der auf zwei Pfoten sicherlich genauso gross ist wie ich und locker im Zirkus arbeiten koennte.
Wir bekommen mitgeteilt, dass es ausdruecklich erwuenscht ist, dass wir abends und morgens mit unserer Gastgeberin mitessen (das ist im Preis inbegriffen, den ratiopharm zahlt - unser Nettoeinkommen steigt) und auch sonst alles mitnutzen was wir benoetigen. Der Fahrservice zu ratiopharm ist bereits vollkommen durchgeplant. Die Tochter des Hauses hat ihren Keller fuer uns geraeumt. Eigentlich sollte nach dem Abendessen nur ein kleines Nickerchen folgen und dann der Pool eingeweiht werden doch wir entschwinden beide hilflos zwischen Nirvanapostern und den Beatles ins Reich der Traeume. Moege Kurt Cobain unseren Schlaf bewachen...


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